Vietnam 2003 - Ein Reisebericht (Seite 2 von 9)

Das Mekong Delta

4.11.

Um 7:30 Abholung durch Delta-Tours, auf geht´s gemeinsam mit 25 weiteren Teilnehmern in Richtung Mekong-Delta. Nach ca. 50 km ist der Mekong-River erreicht und wir wechseln vom Bus in ein typisches Boot mit aufgemalten Augen. Laut Überlieferung gab es früher im Mekong viele Süßwasserkrokodile. Um diese von den Booten zu vertreiben, mussten größere Krokodile imitiert werden, deshalb die Bemalung. Erster Halt bereits nach wenigen hundert Metern an einer Pop-Reis-Fabrik.

Zweiter Halt auf der Früchte-Insel (u.a.Ananas-, Papaya- und Lycheebäume sowie Bananenstauden) nahe Vinh Long, wo ein leckeres Mittagessen serviert wird. Auf abenteuerlichen Fahrrädern (Johanns hatte z.B. keine Bremse) machen wir eine kurze Verdauungsfahrt.
Dritter Halt an einer Kokosnuss-Bonbon-Fabrik. Sehr lecker! Es gibt 2 verschiedene Geschmacksrichtungen, Schokolade und Pistazie. Vorräte für zu Hause gekauft.
Tipp: am leckersten schmecken Kokusnuss-Bonbons noch ganz frisch, später werden sie steinhart.
Vierter Halt: Ziegelei und Keramik-Fabrik. Hier spielt sich alles auf dem Mekong ab. So wird unser Boot auch an einer schwimmenden Tankstelle betankt. Und dann fahren wir in die untergehende Sonne hinein, während die Bewohner am Ufer baden, Wäsche waschen, uns begeistert zuwinken und -rufen.

Übrigens, das vietnamesische Englisch ist mindestens genauso abenteuerlich wie das Essen. Und dabei sind wir mit der indischen Aussprache doch auch schon Einiges gewohnt. Aber so nach und nach hört man sich auch hier ein. Vietnamesisch ist eine sehr schwere Sprache, jeder Vokal hat je nach Kopfnote bis zu 6 Aussprachemöglichkeiten, so dass bei falscher Aussprache erhebliche Missverständnisse eintreten können. Man hat als Deutscher beim Zuhören auch oft das Gefühl, die Gesprächspartner würden sich heftig streiten, da die Absprache der Wörter häufig recht abrupt erfolgt.
 

Abends gibt es in Can Tho vietnamesisches Essen der ganz besonderen Art: Schlangencurry. Bis auf die Schärfe durchaus akzeptabel. Der Schlangenschnaps als Digestiv muss abschließend auch noch sein, obwohl wir uns beim Anblick der in Alkohol eingelegten Königskobras ganz schön überwinden müssen. Dafür haben wir hier eine andere Köstlichkeit entdeckt: fresh lime soda, bei diesen Temperaturen äußerst erfrischend. Deutsche trifft man hier überall, zumeist sind es immer die selben, denn in diesem Land kann man entweder in Nord-Süd-Richtung oder umgekehrt reisen, so dass sich die Reiserouten zwangsläufig überschneiden.
 

5.11.

Auf geht es zum "floating market" von Cai Rang. Hier findet sich eine wahre Flotte von Booten beidseits längs des Ufers und inmitten des Flusses. Jedes Boot zeigt an einer Bambusstange an, was es anzubieten hat, meist Gemüse und Obst, aber es gibt auch ausgefallenere Waren wie Möbel, Keramiktöpfe, Särge. Es ist ein heilloses Durcheinander von Booten und lärmendem Gefeilsche, die Waren werden nur so hin und her geworfen. Ein faszinierendes Spektakel also. Für uns gibt es frisch geschälte Ananas am Stiel, köstlich.

Nächster Halt: Reisnudelfabrik. Hier werden uns die verschiedenen Fertigungsschritte vom Reis bis zur fertigen Nudel erläutert. Danach folgt ein Abstecher in eine der größten Reisfabriken der Gegend, wo kontinuierlich Reis gemahlen, sortiert und verpackt wird. Ganz schön staubig und für Lungenkranke sicher kein geeigneter Arbeitsplatz.
Nach dem Mittagessen Besuch einer Krokodilfarm mit ca. 10000 Tieren unterschiedlicher Größe. Hauptabnehmer ist China, das kg Fleisch bringt einen Erlös von 16 USD pro Kilo. Den Krokos ist es auch zu warm, deshalb liegen sie völlig bewegungslos und häufig ineinander verknäuelt mit offenen Mäulern herum, um bei der kleinsten Unachtsamkeit der Besucher heftig die Kiefer zuzuknallen. Gut, dass sich zwischen uns sichere Zäune befinden.
Tipp: nicht auf die Idee kommen, einen Finger durch den Zaun zu stecken - die Viecher sind schneller.
Danach bringt uns ein kleineres Boot in die kleinen Seitenarme des Mekong, denn hier irgendwo liegt ganz idyllisch unser nächstes Hotel. Da das Dach des Bootes von den meisten Teilnehmern als Sonnendeck missbraucht wird, kommen wir manchmal ganz erheblich ins Schlingern. Aber der 14jährige Bootsführer sieht das gelassen und lenkt das Boot völlig entspannt mit den Füßen dem heutigen Ziel entgegen. In Chau Doc angelangt, lernen wir mit Motorrad-Taxen, die ca. 10 Leute auf einmal transportieren können, ein neues Transportmittel kennen, ist sehr kommunikativ und kuschelig J. Abends findet sich bei Bananenshakes und fresh lime soda eine große multinationale Runde (4 Norweger, 1 Franzose, 1 Kanadier, 2 Südafrikaner, 2 Australier, 2 Briten und 6 Deutsche) zusammen.

6.11.

Warum sollte es heute anders sein als sonst, erneut heißt es gegen 6:00 Wecken. Ein Motorrad-Taxi bringt uns zum Fuße des Sam Mountain, auf dessen Spitze ein bekanntes buddhistisches Kloster zu finden ist. Die vielen Stufen bis dahin bringen uns schon um Viertel vor 9 zum Schwitzen (immerhin schon 33°C). Dieses Klima macht auch die Einnahme des Antimalariamittels Malarone erforderlich, das wir beide aber gut vertragen. Johann ist begeistert von den buddhistischen Klangkugeln.

Wieder zurück steigen wir jeweils paarweise in Ruderboote, die von einer Horde fröhlich laut lachender Vietnamesinnen gesteuert werden und uns zu den floating villages (schwimmende Dörfer) bringen. Die Häuser stehen auf Pfählen oder schwimmen auf Pontons. Buchstäblich unter den Wohnzimmerdielen der durchaus nicht ärmlich eingerichteten Häuser wird Fischzucht mit ca. 10000 Fischen pro Haus betrieben.
Danach werden wir zu einem muslimisch und matriarchalisch strukturierten Cham-Dorf gerudert, wo sich abgesehen von einer Moschee und einem Stoff-Markt nichts Aufregendes finden läßt, aber die Hitze macht uns hier besonders zu schaffen, denn es ist absolut windstill. Apropos Religion: Hinsichtlich Toleranz und gegenseitiger Wertschätzung kann sich der Rest der Welt von den Vietnamesen einiges abschauen. Die meisten vermischen sogar alles miteinander: ihren alten Aberglauben, die buddhistischen, maoistischen und konfuzianischen Lehren, und geheiratet wird häufig christlich, weil die Zeremonie und die Kleider so schön sind.
Auf der weiteren Bootsfahrt besuchen wir eine Räucherstäbchenfabrik, wo täglich 2000 große oder 10000 kleine Räucherstäbchen pro Person von Hand gefertigt werden. Danach Rückfahrt zunächst mit dem Boot bis Long Xuyen und anschließend mit dem Bus bis nach Saigon. Unterkunft erneut im Hotel 64, wo wir euphorisch empfangen werden. So hatte man uns netterweise unser schönes vorheriges Zimmer, wo war es doch ? -ach im 7.Stock (143 Stufen)-freigehalten.
 
Weiter zu Teil 3: Easy-Rider-Tour von Dalat nach Natrang