Vietnam 2003 - Ein Reisebericht (Seite 1 von 9)

Ho-Chi-Minh-City (Saigon)

2.11.

Aufbruch am Morgen nach dem üblichen Szenario: trotz sorgfältiger Planung und Packen bis in die frühen Morgenstunden wird die Zeit knapp. Schnell all das Gepäck ins Auto und ab zum S-Bahnhof Derendorf. Während Johann versucht, möglichst schnell in der Nähe einen Parkplatz zu finden, wo man keine Gefahr läuft, nach 3 Wochen entweder 10 Knöllchen an der Windschutzscheibe oder gar kein Auto-weil abgeschleppt- vorzufinden, bemühe ich mich, dem Fahrausweis-Automaten zwei Fahrscheine bis zum Hbf abzuringen. Nachdem dies gelungen ist und Johann auch rechtzeitig vor Eintreffen der S-Bahn auf dem Bahnsteig erscheint, kann zumindest an diesem Punkt nicht mehr viel schief gehen.
Auf gehts, unser neues Abenteuer wartet!
Im ICE nach Frankfurt/M gibt´s schon ein erstes kleines Highlight. So konnten wir Sitzplätze in der ersten Reihe mit Blick auf den Lokführer und sein Schaltpult ergattern. Bereits nach 1,5 Stunden erreichen wir den Frankfurter Flughafen. Doch der Weg vom Fernbahnhof zum Ticketschalter von Cathay Pacific ist recht weit und die Warteschlange lang. So sind gute Sitzplätze natürlich nicht mehr zu kriegen. Ganz im Gegenteil, da wir nicht vorreserviert hatten-weil wir bis dahin von dieser Möglichkeit noch nichts gewusst hatten-bekommen wir die allerletzten Plätze in der Boeing 747: letzte Reihe Mitte 67 E/F. Das wird uns in Zukunft sicher nicht noch einmal passieren.

Tipp: Die Fahrradrikschafahrer handeln gern einen Preis für den ganzen Tag aus. Das ist praktisch, da man nicht für jede Etappe neu verhandeln muss. Wenn man verhandelt sollte man allerdings klarstellen, in welcher Währung man verhandelt - in 1000 Dong oder 1 Dollar... Start um 14:00. Ich hatte meine Flugangst diesmal -glaub´ ich-ganz gut im Griff. Es rüttelt gewaltig, für Johanns lange Beine ist es viel zu eng. An Schlafen ist nicht wirklich zu denken, zu lang sind die Schlangen an den Toiletten neben uns und zu geräuschvoll. Immerhin hat jeder seinen eigenen Bordcomputer, es stehen einige gute Filme und Spiele (Tetris rettet mich durch die Nacht) zur Auswahl. So sehen wir Fluch der Karibik (OV), Matrix (OV), 3 Engel für Charlie II (nur Johann :-), Terminator III (nur Johann :-), Bridget Jones (nur ich :-). Mit rechteckigen Augen und ziemlich müde kommen wir pünktlich um 8:00 in Hongkong an. Bereits nach 1 Stunde gehts weiter nach Ho Chi Minh-City. Sowohl in Hongkong als auch auf dem Flughafen von HCM werden auf Grund von SARS Temperaturmessungen vorgenommen, zum Glück kommen wir durch.
Erster Anlaufpunkt: Für passable 60000 Dong fahren wir mit dem Taxi zum Hotel 64 der in Saigon für ihre vielen Mini-Hotels bekannten Madame Cuc. Zu spät merken wir, dass wir unseren „Lonely planet“ im Auto liegenlassen. Aber in Vietnam ist so etwas gar kein Problem. Im Land der Kopien sowohl von Büchern als auch CD´s ist es ein Leichtes, an der nächsten Straßenecke für 2 USD ein neues Exemplar zu kaufen. Da wir im Hotel 64 nicht vorreserviert haben, ist zu befürchten, hier nicht unterzukommen. Aber wir haben Glück: im obersten (7.)Stockwerk ist noch ein Doppelzimmer zu kriegen. Die Freude wird jedoch gleich getrübt, denn: es gibt keinen Aufzug. Die 143 Stufen sind bei der Wärme (ca.30°C) und der hohen Luftfeuchte immer ein Garant für feuchte Haut bei Ankunft im Zimmer. Aber das Zimmer ist kühl und freundlich mit Dusche und Fernseher, und das für 12 USD. Die Rucksäcke folgen per Seilwinde. Nach einer kurzen Schlafpause erleben wir den ersten Monsun-Regenguss, es ist, als öffneten sich tausend Schleusen. Die Angestellten empfangen uns überaus freundlich und und warmherzig, servieren Tee, hier fühlt man sich sich nach solch langer Anreise sofort gut aufgehoben. Nach dem Regen starten wir die erste Erkundungstour durch das „Backpacker-Zentrum“ Saigons mit den vielen kleinen verwinkelten Gassen, Garküchen, Reisebüros und der typischen Architektur. Da die Häusersteuer hier nach der Breite des Hauses berechnet wird, baut man eben eher nach oben und nach hinten als in die Breite. So ist auch zu erklären, warum die meisten Häuser nur so breit wie ein Zimmer sind. .
Zeitverschiebung: 6 Stunden vor
Währung: 1 € entspricht ca. 15000 Dong

Schon längst ist Vietnam nicht mehr das Land der Millionen Fahrräder, die wurden von Mopeds und Motorrädern abgelöst und sind jetzt das Familientransportmittel Nummer eins. Da sieht man gar nicht selten 4-6 Personen auf einem Gefährt, hat allerdings Schwierigkeiten, dies auf ein Dia zu bannen. Angesichts des jetzt schon erheblichen Smog-Problems mag man gar nicht daran denken was passiert, wenn statt Zweirädern bald nur noch Autos unterwegs sein werden.
Tipp: Zum Überqueren der Straße einfach loslaufen, nicht stehenbleiben, langsam weitergehen, keine ruckartigen Bewegungen, dann wird man um- nicht überfahren...

3.11.

Nach unruhiger Nacht (auf Grund der Zeitverschiebung) mieten wir am nächsten Morgen 2 Cyclos für eine Stadtrundfahrt, wie immer mit dem unguten Gefühl im Bauch, diese armen Männer physisch auszubeuten. Aber so verdienen sie wenigstens etwas.
Wir sehen zunächst die Saigoner Chinatown Cholon mit verschiedenen Pagoden (u.a. maoistisch und buddhistisch). Hier brennen Tausende Räucherstäbchen, die rauchschwangere Luft bereitet mir Atemprobleme, die Augen brennen.

So verlassen wir Cholon recht zügig. Interessante Markthallen ziehen uns auf der Suche nach geeigneten Foto-Motiven magisch an, die Vietnamesen sind nur leider alle sehr schüchtern, insbesondere junge Frauen möchten oft nicht gern fotografiert werden. Das sollte man auch akzeptieren und vorher um deren Einverständnis bitten.
Anschließend besuchen wir das War remnants museum. Die Waffen und Panzer sind nicht das eigentlich Bedrückende und Erschreckende, das sind die vielen Fotografien der Kriegsberichterstatter, die meist selbst im weiteren Verlauf des Krieges umgekommen sind. Obwohl ich durch meinen Job schon viel gesehen habe, gehen mir diese auf Papier gebrachten Grausamkeiten des Krieges so an die Nieren, dass ich dringend frische Luft brauche.
Weiter zu Teil 2: Das Mekong-Delta